Die ehemaligen Grundig Türme als Zentrale Erstaufnahmeeinrichtung in Nürnberg

Grundig Türme

Weit in den Himmel reichen die 45 bzw. 48 Meter hohen Türme, welche in den 70er Jahren von Firmenlegende Max Grundig errichtet wurden und die zunächst als Unterkunft für Arbeiter dienten. Später nach ihrem Verkauf an den Bayerischen Freistaat beherbergten die in Nürnberg als „Grundig Türme“ bekannten Gebäude die Landesaufnahmestelle für Aussiedler. Seit Juli dieses Jahres ist der Umbau der Türme abgeschlossen und diese dienen nun wieder dem Freistaat Bayern als Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber. Die lange hinter einem Baugerüst versteckten markanten und prägenden Türme sind nun wieder ansprechend und mit modernen und sozialen Aspekten völlig neu in das Stadtbild zwischen Messe, Stadion und Zeppelinfeld eingefügt.

DER UMBAU

Die komplett entkernten und nun vollständig sanierten Türme bieten circa 850 Plätze für Asylsuchende. Im stadtzugewandten Turm sind verschiedene Büro- und Verwaltungs- sowie medizinische Bereiche untergebracht. Für Behörden und Ämtern bietet sich hier genügend Raum für die Bearbeitung der Asylverfahren. Am Umbau waren diverse Unternehmen zum großen Teil aus Bayern beteiligt, die ihren Anteil daran geleistet haben, die etwa 15.000 Quadratmeter Nutzfläche in einer Planungs- und Bauphase von nur etwa 18 Monaten zu bewerkstelligen. Insgesamt kostete das Projekt rund 25 Millionen Euro.

DAS FARBKONZEPT

Am historischen Zeppelinfeld in Nürnberg befinden sich sehr unterschiedliche solitäre Bauwerke und Nutzungen wie beispielsweise das Nürnberger Stadion, das EasyCredit Haus, dem Zeppelinfeld und der Messe Nürnberg. Die Baukörper der Grundig Türme nehmen unter diesen Solitären schon allein wegen ihrer Höhenentwicklung eine besondere städtebauliche Stellung ein. Das Farbkonzept folgte daher der Idee einer im Ausdruck zurückhaltenden Instandsetzung der Bauwerke. Da es sich bei dem Gebäudekomplex um ein Ensemble aus zwei ähnlichen Türmen handelt, wurde für beide Baukörper der gleiche Grundfarbton gewählt. Durch die Verwendung eines hellen, graublauen Farbtons passen sich die Türme harmonisch in die gebaute Umgebung ein. Aufgrund ihrer Höhe stehen sie je nach Wetterlage in einem wechselnden Kontrast zur Farbe des Himmels im Hintergrund. Die Farbgestaltung soll die architektonischen Merkmale des Bestandsgebäudes stärken. Es wird bewusst auf dekorativen Zierrat verzichtet. Durch die Ausbildung von weißen Faschen werden die Fensteröffnungen als gestaltprägendes Element hervorgehoben und optisch vergrößert. Die Fassade wirkt somit wesentlich großzügiger als im Bestandsgebäude. Die Faschen sind als Blindflächen asymmetrisch um die Fensteröffnungen angeordnet und geschossweise zueinander versetzt. Der Charakter der Fassade wird auf diese Weise gestärkt und zugleich in angemessener Form durch eine leichte Verfremdung neu interpretiert.

DAS WOHNKONZEPT

Ziel des Umbaus war es, die bestehenden räumlichen Aufteilungen so weit wie möglich zu erhalten und dennoch Zimmer zu schaffen, die den Anforderungen an das Leben und Wohnen für die Asylsuchenden aus vielen verschiedenen Kulturkreisen bestmöglich genüge tragen. In einem der Türme wurden Betreuungszimmer für Kinder eingeplant und in den Außenanlagen findet sich ein neu gestalteter Kinderspielplatz. Ein Turm beherbergt eine Küche und einen neu angebauten großen und lichtdurchfluteten Speisesaal, ebenso wurden die Dusch- und WC-Bereiche in aller Bewohnerebenen völlig neu konzipiert. Geschaffen wurden Bewohnerzimmer für 2 bis 4 Personen sowie mehrere behindertengerechte Zimmer, jedes mit einer eignen Waschgelegenheit bzw. sogar eigenen Duschen ausgestattet. Besonderen Wert legte Gerd Schmelzer’s alpha Gruppe, auf das Farbkonzept im Inneren der Grundig Türme, um den ankommenden Menschen ein möglichst freundliches Ambiente mit dem Charakter einer Wohnetage zu bieten. Die Fassadenfarben finden sich daher auch im Innenbereich wieder. Während die Bewohnerzimmer weiße Wandfarben erhalten, werden in den Flurbereichen einzelne Wandelemente mit einem graublauen Farbton hervorgehoben. Diese Hervorhebung erfolgt teilweise durch vollflächig gestrichene Flächen und teilweise durch mit einer Musterwalze aufgebrachte florale Ornamente. Sie verleihen den Erschließungsflächen den gewünschten Charakter. Als Bodenbelag findet ein PVC-Belag mit Holzparkettoptik sowohl in den Einzelzimmern als auch in den Fluren Verwendung. Auch durch diese Maßnahme werden die Flure nicht als Erschließungszonen einer temporären Herberge, sondern als gemeinsame Aufenthaltsbereiche einer Wohngemeinschaft wahrgenommen.

NEUESTE TECHNIK

Der gesamte Innenausbau sowie die haustechnischen Anlagen wurden in hochwertiger Ausführung dem neuesten Stand der Technik entsprechend komplett neu hergestellt. Sowohl für Heizung, als auch für die Warmwassererzeugung wird eine Nahwärmeerzeugung mittels eines Blockheizkraftwerkes und des Heizkraftwerkes herangezogen. Durch die Kraft-Wärme-Kopplung ist dieses System besonders energieeffizient. In Verbindung mit allen energetischen Ertüchtigungen des Bestandsgebäudes an Fassade, Fenster und Dach sowie der gesamten Haustechnik erreichen die Gebäude einen Primärenergiefaktor, der weit niedriger liegt, als für sanierte Bestandsgebäude üblich und damit fast den Stand eines Neubaus erreicht.

DER BRANDSCHUTZ

In Zusammenarbeit mit mehreren Ingenieurbüros wurde auch in Bezug auf Sicherheitsaspekte, insbesondere beim Brandschutz, unter Berücksichtigung des Bestands und nutzungsspezifischen besonderen Anforderungen ein Konzept entwickelt, welches starke Eingriffe in den Bestand vermied und dennoch ein Höchstmaß an Sicherheit für die Bewohner und Verwaltungsangestellten bietet.

Eckdaten

Nutzungskonzept: Erstaufnahmeeinrichtung

Projektart: Umnutzung eines Bestandsgebäudes in eine zentrale Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber

Erwerb: 2008

Status: Fertigstellung Mai 2016

Grundstücksfläche: 12.000 qm

Nutzfläche: 15.000 qm

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